Tag der offenen Tür

Lernen am anderen Ort

spannender Vortrag zum Thema "Pubertät" im Z III

Ein schöner Abend gehört nun der Vergangenheit an…

Am 22.11.2022 versammelten sich ca. 80 Mamas, Papas aber auch Jugendliche im „sensiblen“ Alter und Lehrer/innen, um den Ausführungen von Herrn Dieter Leicht zum Thema „Pubertät“ zu folgen. Der große Tagungsraum vom ZIII war liebevoll arrangiert und bot allen Anwesenden einen tollen Rahmen für den schönen Abend.

Untermalt mit vielen Beispielsituationen, die Herr Dieter Leicht als Familientherapeut, aber auch als Vater von drei Kindern und Opa von zahlreichen Enkelkindern selbst erlebt hatte, brachte dieser allen Anwesenden auf sehr humorvolle Art und Weise näher, was mit den Jugendlichen in der Pubertät passiert und wie man als Eltern mit der neuen Situation umgehen kann.

Das Feedback der Zuhörer ist überwältigend! Egal, ob Eltern die ihr erstes Kind oder Eltern, die nun schon ihr zweites oder drittes Kind durch die Pubertät gehen sehen, sogar gestandene Lehrer/innen, alle konnten sich etwas aus dem Vortrag mitnehmen oder wurden in ihrem Umgang mit Jugendlichen gestärkt.

Damit der Inhalt des Vortrages nicht so schnell in Vergessenheit gerät können Sie nun noch einmal einige wichtige Botschaften des Referenten nachlesen. Diese Hinweise sollen allen im Umgang mit ihren pubertierenden Jugendlichen helfen, können aber auch gerne auf andere Lebensbereiche angewendet werden…

  • Der pubertierende Jugendliche durchlebt eine Krise. Wie alle Menschen in Krisen ist der Jugendliche unsicher, damit „dünnhäutig“ und gereizt. Das Problem des Jugendlichen ist es, dass er sein Ängste und Unsicherheit nicht zeigen will, weder seinen Eltern noch seinen Freunden gegenüber. Wir als Erwachsene können nun durch unser Verhalten (z.B. das ständige „Meckern“ bei gemachten Fehlern) „Salz in die Wunde“ geben und die Unsicherheit damit verstärken oder versuchen den Jugendlichen zu verstehen, für ihn da zu sein und mit ihm gemeinsam die Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Geben Sie ihm zu verstehen, dass das „Fehler-machen“ zum Menschsein und zur menschlichen Entwicklung dazugehört: Ohne Fehler keine Entwicklung!

  • Sie als Eltern haben die Wahl: Der Kampf darum, wer Recht hat, ist ein Kampf, der nur Verlierer haben wird. Gewinnen Sie ihn, fühlt sich ihr Kind schlecht und Sie „verlieren“ es. Verlieren Sie den Kampf, „behalten“ Sie ihr Kind, aber Sie werden sich selbst schlecht fühlen und bei Bedarf „rächen“. Damit begeben Sie sich in einen endlosen Kreislauf des Kampfes um „Recht haben“ und „nicht Recht haben“. Treten Sie mit Gelassenheit zurück und stellen Sie sich die Frage, ob es unbedingt erforderlich ist, Recht zu haben…

  • Für jeden Menschen gilt: „Ich kann nicht an mich glauben, wenn kein anderer an mich glaubt.“. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie weniger an ihren Kindern zweifeln – das machen diese schon von ganz allein – sondern mehr an sie glauben. Zeigen Sie ihrem Kind, dass Sie ihm etwas zutrauen. Ändern Sie ihren Blick: Schauen Sie nicht ständig darauf, was alles schlecht ist, sondern fokussieren Sie die Stärken und Chancen ihres Kindes. Loben Sie es, wenn es etwas Gutes getan hat!

  • Zeigen Sie Größe und gestehen Sie Fehler ein, wenn Sie welche gemacht haben! Vielleicht nicht gleich und vielleicht nicht nach ein paar Minuten, aber wenn Sie merken z.B. in einen Streit überreagiert zu haben, dann kann man das in einer „ruhigen Minute“ eingestehen, damit Größe zeigen und das Verhältnis zum eigenen Kind deutlich verbessern. Denken Sie immer daran: Wir sind Menschen und Menschen machen Fehler (und müssen sie auch machen, um uns entwickeln zu können!!!)

  • Bleiben Sie im Umgang mit pubertierenden Jugendlichen gelassen! Pubertierende nutzen ihr Verhalten immer um ein Ziel zu verfolgen. Fragen Sie sich also stets: „Wozu macht das mein Kind?“. Oft wird die Antwort lauten: Ihr Kind will zu einer bestimmten Gruppe dazugehören. Ihr Kind will sich von Ihnen „abnabeln“. Ihr Kind will seine eigenen Ängste überspielen. Wenn Sie sich dies immer mal wieder vergegenwärtigen, hilft es Ihnen das Verhalten des Jugendlichen besser zu verstehen. Sind Sie mit dem Verhalten des Jugendlichen nicht einverstanden und haben Sie herausgefunden, dass dieses Verhalten nur gezeigt wird, weil der Jugendliche zu einer bestimmten Gruppe gehören will, so denken Sie gemeinsam mit dem Jugendlichen darüber nach, sich eine andere Gruppe zu suchen. Versuchen Sie so früh es geht, dass ihr Kind Mitglied in einer sportlichen, musischen oder kreativen Gruppe wird. So sind die Gefahren falsche (oder selbstzerstörerische) Verhaltensweisen zu erlernen viel geringer.

  • Lassen Sie los! Ihr Kind will und muss sich während der Pubertät von Ihnen „abnabeln“, um selbstständig werden zu können. Haben Sie Vertrauen in sich und den Jugendlichen. Auch wenn ihr Kind erst einmal gegen all ihre familiären Werte rebellieren wird, so wird es die meisten doch für sich übernehmen. Wie oft haben Töchter den „Putzwahn“ ihrer Mütter gehasst und sind dann selbst zu Putzteufeln mutiert…

  • Verwöhnen Sie ihr Kind nicht zu sehr und nehmen Sie ihrem Kind nicht alles ab. Lassen Sie ihr Kind seine Aufgaben selbst erledigen. Wie soll ihr Kind selbstständig werden, wenn Sie alles für ihr Kind machen? Also: Wenn Sie ihr Kind von vorne bis hinten verwöhnen wollen, dann beschweren Sie sich bitte nicht darüber, wenn ihr Kind mit 40 Jahren noch immer bei Ihnen wohnt…

  • Suchen Sie gemeinsam mit ihrem Kind, in einer „ruhigen Minute“, nach einer sinnvollen Regelung, wie es mit den elektronischen Medien umgehen sollte. Studien haben belegt, dass die Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss umso geringer werden, desto mehr man sich mit Smartphone, PC und Co. die Zeit vertreibt. Und… Umso früher ein Mensch mit physischen und psychischen „Sucht-Stoffen“ in Berührung kommt, desto höher ist die Gefahr der Ausprägung einer Abhängigkeit.

  • Seien Sie selbst ein gutes „Vor-Bild“! Dieses Bild prägt sich im Gehirn des Jugendlichen ein und wird zu einem eigenen Handlungsmuster. Warum sollte der Jugendliche z.B. selbst nicht rauchen, wenn es ihm so vorgelebt wird?

  • Natürlich ist es häufig notwendig klare Regeln aufzustellen und dem Kind „Befehle“ zu geben. Das Verhältnis zum Jugendlichen verbessert sich aber vor allem dann, wenn man ihm das Gefühl gibt gebraucht zu werden. Wenn Sie es schaffen eine Anordnung als Bitte zu formulieren, die dem Heranwachsenden zeigt, dass er gebraucht wird, dann stärkt dies ihr Verhältnis zu ihm1. Bitte denken Sie auch daran sich zu bedanken, wenn der Jugendliche ihre Bitte erfüllt hat! Erziehung ist ein Geben und Nehmen…

Ein besonderer Dank gilt dem Team vom ZIII, die sich neben dem passenden Ambiente auch noch um das leibliche Wohl der Gäste kümmerten. Vielen Dank an alle Elternvertreter, die beim Verteilen der organisatorischen Informationen tatkräftig mitgeholfen haben, an alle Anwesenden und ein ganz großer Dank gilt dem Referenten Herrn Dieter Leicht. Alle zusammen haben wir diesen Abend zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht!

P. Kreißl

 

1 Formulieren Sie den Befehl „Du sollst dein Zimmer aufräumen!“ z.B. so um: „Räume bitte dein Zimmer auf! Wenn du dein Zimmer aufräumst, dann hilfst du mir/uns das Haus sauber zu halten.“