Herzlich Willkommen

im Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium - einzige offizielle Internetrepräsentanz der Schule - Praktikumsschule 2015-16 der Friedrich-Schiller-Universität Jena

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Planspiel: Europapolitik

E-Mail Drucken PDF
Die Politiker haben´s echt gut! Den ganzen Tag nur reden, reden, reden und
Geld verdienen. So dachten wir uns das zumindest bis zum 13. Juli 2006.
An diesem Tag nämlich starteten wir unser Planspiel.
Von allen Schulen in Deutschland werden jährlich 18 ausgewählt, die für
zwei Tage in die Haut von Europäischen Parlamentariern und Ratsmitgliedern
schlüpfen dürfen. Dieses Mal hatte unsere Schule das Glück, diese
Erfahrung zu genießen.
Am Morgen des 13. Juli versammelten sich die Schülerinnen und Schüler
der Klassen 10a und 10c in der Aula. Da wir schauspielern wollten, hatten
wir uns auch alle Mühe gegeben, uns entsprechend zu verkleiden. Während
die Jungen in langen Anzügen und Sakkos schwitzten, machten es sich die
Mädchen in seriösen Kleidern und Kostümen so angenehm wie möglich.
Zu Anfang erklärten uns die beiden Spielleiter noch einmal alles, was wir
rund um die Europäische Regierung und dieses Planspiel wissen mussten.
Danach gingen die „Parlamentarier“ in den Nebenraum zur ersten Lesung.
Nachdem die „Präsidentin“ Romy Schade und ihre Stellvertreterin Jennifer
Bartl die Eröffnungsreden gehalten hatten, stellte ich als
Berichterstatterin die Richtlinienvorschläge der Kommission zu unserem
Thema „Tierversuche in der Kosmetik“ vor, die mir von der Spielleitung
erklärt worden waren. Das Thema gliederte sich in vier Punkte:
  1. Das Verbot von Tierversuchen
  2. Das Verkaufsverbot von Produkten, die mit Tierversuchen entwickelt wurden
  3. Ein Warnhinweis, dass das Produkt mithilfe von Tierversuchen hergestellt wurde/ Positive
  4. Werbung für Hersteller, die auf Tierversuche verzichten
  5. Die Auflistung der Inhaltsstoffe, die im Verdacht stehen, Allergien auszulösen.
Die vier großen Partein, die Konservativen, die Sozialdemokraten, die
Liberalen und die Grünen diskutierten jeden der Themenpunkte einzeln.
Aus den Änderungsvorschlägen der einzelnen Partein stellte die
Präsidentschaft eine Richtlinie zusammen. Zur Probe wurde über jeden Punkt
noch einmal so lange abgestimmt, bis er die absolute Mehrheit fand.
Danach wurde der neu entwickelte Vorschlag dem Europarat vorgelegt. Weil der
aber von vorn herein eine vollkommen andere Meinung hatte, lehnte er die
Richtlinie ab. Im großen und ganzen prallten im Rat zwei Meinungen aufeinander:
Frankreich mit den großen Kosmetikkonzernen wie L´oreal im Rücken war komplett
gegen ein Verbot von Tierversuchen. Dagegen standen auf der Seite der
Tierschützer. Jede Seite erarbeitete nun ihren eigenen Richtlinienvorschlag,
von denen aber keiner die Mehrheit für sich gewinnen konnte. Erst nach
erbitterten Diskussionen und einem weiteren Vorschlag der Ratspräsident-
schaft hatte man sich halbwegs geeinigt. Allerdings wurden die Ratsmitglieder
bei der nun folgenden Pressekonferenz, die von Frau Steinert, Frau Frost und
der Spielleitung geführt wurde, aufgrund ihres schnellen Nachgebens arg in
die Mangel genommen.
Der nächste Tag begann, wie in der wirklichen Politik, mit dem Lesen der
Zeitung. Neben den Kommentaren über die vorangegangenen Lesungen fand sich
dort auch ein Artikel über ein Kleinkind, dass beim eincremen an einem
allergischen schock gestorben war, weil es einen der Inhaltsstoffe nicht
vertragen hatte. Die Mutter hatte den viel zu kleinen Warnhinweis einfach
übersehen. Dieser Artikel sollte Anreiz zu Diskussionen geben.
Anschließend ging das Parlament in die zweite Lesung. Wie nicht anders zu
erwarten, wurde die Richtlinie, die der Rat am Vortag vorgeschlagen hatte,
abgelehnt. Nach dem selben Konzept wie am Tag vorher wurde ein neuer Vorschlag
erarbeitet, bei dem alle Partein viele Kompromisse eingehen mussten.
Dieser wurde aber wiederum vom Rat abgelehnt. Aus diesem Grund musste ein
Vermittlungsausschuss einberufen werden. Dazu wurden zwei Gruppen gebildet,
die jeweils zur Hälfte aus Rats- und Parlamentsmitgliedern bestanden. Diese
beiden Ausschüsse erarbeiteten getrennt voneinander je einen Vorschlag, nachdem
wieder ausführlich pro und contra aller möglichen Festlegungen diskutiert worden
waren. Über jeden dieser Vorschläge wurde noch einmal in Rat und Parlament
abgestimmt, bis sich endlich die Mehrheit einig war. Die endgültige
Richtlinie lautete also folgender Maßen:
  1. Verbot von Tierversuchen nach drei Jahren
  2. Verkaufsverbot von Produkten, die mithilfe von Tierversuchen entwickelt wurden nach sechs Jahren. Während dieser sechs Jahre wird pro Produkt ein Cent in die Entwicklung neuer Testmethoden investiert.
  3. Freiwillige positive Werbung
  4. Angabe aller Inhaltsstoffe (ohne Mengenangabe) und Hinweise für Allergiker.
Dieser Vorschlag wurde feierlich unterschrieben. Danach wurden Gruppenphotos
von allen Teilnehmern gemacht. Anschließend gab uns die Spielleitung eine
kurze Einschätzung über unsere Arbeitsweise, wobei sie uns als sehr
disziplinierte Diskutierer lobten. Zum Schluss klärten sie uns noch auf, wie
die echte Richtlinie, die vor ein paar Jahren beschlossen worden war, aussah.
In der Wirklichkeit fiel die Entscheidung mehr zu Gunsten der Tierschützer aus.
Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass diese zwei Tage sehr lehrreich waren.
Wir danken für diese Erfahrung. Außerdem möchten wir uns bei der Spielleitung,
sowie bei Frau Steinert und Frau Frost bedanken, die trotz der hohen Temperaturen
dieses Planspiel organisiert und bis zum Ende durchgeführt haben.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 16. Mai 2007 um 20:09 Uhr  
Banner
Banner