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im Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium - einzige offizielle Internetrepräsentanz der Schule - Praktikumsschule 2015-16 der Friedrich-Schiller-Universität Jena

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Erinnern- vergeben- mahnen

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In der Stadt Meuselwitz befand sich seit 1901 eine Porzellanfabrik, die nach Konkurs 1936 von der HASAG, einem Metallwarenbetrieb mit Hauptsitz in Leipzig, aufgekauft wurde. Offiziell war das Werk auf dem Gebiet der Gerätefertigung tätig. In Wirklichkeit produzierte die Belegschaft Infanteriepatronen, Flakgeschosse und später auch Panzerfäuste.

Im Februar 1944 beschäftigte das Meuselwitzer Zweigwerk 3270 Personen, überwiegend Fremdarbeiter aus allen Teilen Europas. Zur HASAG gehörte aber auch ein Barackenlager, welches ein Außenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald war. Dort waren Häftlinge, hauptsächlich Frauen und Mädchen, untergebracht, die zu unmenschlicher Arbeit in der HASAG gezwungen wurden.
Am 11. April 2005- 60 Jahre nach der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald-  kamen 9 Frauen, die hier sklavisch arbeiten mussten, noch einmal zurück an den Ort ihrer Pein.
In Gesprächen mit Schülern des Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasiums berichteten sie bewegend über ihr Schicksal. Tief betroffen hörten die Jugendlichen den Augenzeugenberichten zu, war es doch für sie Geschichtsunterricht aus erster Hand. Dank einer exzellenten Übersetzung, die die Enkelin einer überlebenden übernommen hatte, wurden auch die Verständigungsprobleme recht gut gelöst, da die hier inhaftierten Frauen sich ihr Leben lang geweigert hatten, die Sprache ihrer Peiniger zu erlernen.
Nach dem Mittagessen in der Orangerie schrieben die Frauen den Meuselwitzern eine Widmung: „ Als wir wieder in Meuselwitz waren, wo wir im Konzentrationslager gefangen waren und sklavisch in der Fabrik HASAG arbeiten mussten, sind wir tiefbewegt, weil wir die Erinnerung aufs Neue erleben.“ An den Überresten der HASAG in der heutigen Nordstraße legten sie Blumen nieder im Gedanken an ihre bei dem Bombenangriff am 30. November 1944 ums Leben gekommenen oder bereits verstorbenen Gefährtinnen. Dabei schlugen sie vor, die einzige noch vorhandene Säule eines Hinterausganges der HASAG  am Auholz im jetzigen Zustand zu konservieren und dort eine Gedenktafel anzubringen, die an die Höllenqualen erinnert, die sie an dieser Stelle erleiden mussten. Als Erinnerung an diese Begegnung wurde den Frauen ein Blumentöpfchen mit langlebiger Grünpflanze überreicht. Die darin befindliche Erde stammt aus dem Gelände der HASAG. Diese symbolische Geste berührte die Frauen so stark, dass die äußerten: „Als wir vor 9 Jahren hier waren, konnten wir noch nicht vergeben. Heute können wir dies im Angesicht einer neuen friedlichen deutschen Generation.“

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Mai 2013 um 21:08 Uhr  
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